Hauptstraße  „Alles kommt vom Bergwerk her“ – kein anderer Satz charakterisiert die Geschichte der reizvoll im Gottleubatal gelegene Kleinstadt Berggießhübel treffender. Das Stadtwappen zeigt bis heute einen vor Ort mit Eisen und Schlägel arbeitenden Knappen. Erste Bergbaunachrichten erwähnten 1447 den „Gißhobel“ als ein Gebiet, in dem die Bergleute der Erde ihre Schätze entrissen. Das Magnetit aus dem „eysing berg“ war so hochwertig, dass die daraus gefertigten Produkte bereits im 16. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Pirnisch Eisen“ Bekanntheit erlangten.

Über Jahrhunderte prägten Knappen und Hüttenleute die Geschichte des Ortes, der alle Höhen und Tiefen des Bergbaus durchlief. Auf eine erste Blütezeit Ende des 16. Jahrhunderts folgte der Niedergang im Dreißigjährigen Krieg und eine lange Stagnation, ehe der Abbau Ende des 19. Jahrhunderts nochmals einen Aufschwung erlebte. In dieser Zeit wurde hier auch das Erz gefördert, aus dem man das „Blaue Wunder“, die bekannte Dresdner Elbbrücke, fertigte. Nach mehreren vergeblichen Erkundungen wegen neuer Erzlager fuhren die Bergleute am 31. Mai 1942 zur letzten Schicht.

Mit dem Besucherbergwerk „Marie Louise Stolln“ lädt ein 1726 aufgefahrener Stollen zu einer Entdeckungstour in die untertätige Arbeitswelt der Bergleute ein. Auch im Kurwesen lebt der Bergbau bis heute weiter, denn es waren Berg- und Hüttenleute, die 1717 und 1722 erste Heilwässer entdeckten. Gefördert von Kurfürst August dem Starken entwickelte sich das Badewesen sprunghaft. Das Johann-Georgen-Bad, das Hotel Sächsische Haus und der Kurpark Friedrichsgarten bildeten den Kern der damaligen Badeanlagen, die Mitte des 18. Jahrhunderts bereits jährlich 300 Kurgäste nutzten. Zu ihnen zählen auch der Fabeldichter C. F. Gellert und der Satiriker G. W. Rabener. An sie erinnert der am Schloss Giesenstein vorbei führende Poetengang im Gottleubatal.

Hochwassergesdenkstein Ihre schwerste Stunde erlebte die Berg- und Badestadt in der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1927.
Damals versank das alte Berggießhübel nach einem Wolkenbruch in den Fluten einer bis 4m hohen Hochwasserwelle, die 88 Menschen in den Tod riss und zahlreiche Gebäude der ehemals eng bebauten Siedlung zerstörte. Nur die alten Bergmannshäuser auf dem Kirchberg blieben verschont. Zahlreiche Hochwassermarken sowie das Hochwasserdenkmal (1937) erinnern bis heute an die Schreckensnacht.

Nach dem Schicksalsschlag erfolgte der großzügige Wiederaufbau des Stadtzentrums entlang der Hauptstraße. Neue hochwassersichere Wohnungen wurden am östlichen Talhang, der heutigen Siedlung errichtet. Auch die Kuranlagen entstanden nach der Zerstörung und dem versiegen der Quellen neu. 1934 wurde Berggießhübel das erste offizielle Kneippkurbad Sachsens. 1978 erfolgte die Ernennung zum staatlich anerkannten Kneipp-Kurort. Bis 1990 entwickelte sich die Stadt zum bedeutendsten Kneippbad der DDR.

Heute führt die moderne 1993 eröffnete MEDIAN - Klinik die fast 300 Jahre alte Tradition des Kur- und Badewesens fort.

Die ebenfalls zerstörte Postdistanzsäule (1727) entstand gleichfalls neu. Sie enthält Entfernungsangaben bis Hamburg, Prag und Wien und erinnert an die Lage Berggießhübels an der wichtigen nach Böhmen führenden Prager Landstraße, der „neuen Dresden – Teplizer Poststraße“ (Erzgebirgspass bei Nollendorf). Gegenüber der Postdistanzsäule befindet sich das Schloss Friedrichsthal, über Jahrhunderte Sitz der Berggießhübeler Grundherren. Zu ihnen zählten Generalleutnant August Friedrich Wilhelm von Leyßer, dessen Gruft sich auf dem Friedhof befindet, Alexander Graf von Rex und der Geheime Kommerzienrat und Küchenmöbelfabrikant Carl Eschebach. Letzterer ließ 1900 den Bismarckturm auf der 439 Meter hohen Panoramahöhe errichten. Von hier aus bietet sich bis heute ein fantastischer Blick über die alte Berg- und Badestadt Berggießhübel, auf den Elbtalkesel, das Elbsandstein- und das Osterzgebirge.

 

 

 

 

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